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Der Euro als Sündenbock - 17.01.2006
Antword am BUDGETHEBDO von TEST-ACHATS
In Ihrem wöchentlichen Haushalt vom 25.XI. 2005 beschuldigen Sie den Euro, die Hauptursache für die Verschlechterung der Handelsbilanz in der Eurozone zu sein. Es stimmt, dass die Hausse einer Währung auf den internationalen Märkten normalerweise eine Abnahme der Exporte und eine Zunahme der Importe zur Folge hat. Das ist auch in Ordnung, denn damit wird der internationalen Handel ausgeglichen.
Der Euro ist jedoch weit davon entfernt, die Hauptursache für die Verschlechterung der Handelsbilanz in der Eurozone zu sein und Test-Achats, dessen Haltung gegen den Euro nicht von gestern stammt, begeht hier einen großen Fehler. Zunächst ist daran zu erinnern, dass
- die Eurozone traditionell einen Überschuß in der Handelsbilanz aufweist und eine vorübergehende Berichtigung hat nichts Besorgnis erregendes.
- die Handelsbilanz der USA selbst dann negativ bleibt, wenn der Dollar aufgrund einer übermäßigen privaten Nachfrage fällt: Offensichtlich ist der internationale Wechselkurs sehr selten allein dafür verantwortlich;
- die Schwankungen des Euro im Verhältnis zum US-Dollar seit 1999 einen geringeren Umfang haben, als die Schwankungen der nationalen Währungen vor 1999, ohne dass das damals die Handelsbilanz der Zone nachhaltig beeinträchtigt hätte (siehe www.promeuro.org)
Man muß die Gründe für die Verschlechterung unserer Handelsbilanz also auch anderswo suchen und sich nicht nur auf einen Nenner der Gleichung konzentrieren. Sind die öffentlichen Ausgaben in Europa, die aufgrund der Sozialpolitik chronisch überhöht sind (die öffentlichen Schulden übersteigen im Verhältnis zum BIP der Eurozone eindeutig die der USA ) und nicht durch einen Produktivitätsanstieg ausgeglichen werden, der zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen auf internationaler Ebene notwendig ist, nicht mitverantwortlich ? Die Ausgaben der öffentlichen Hand machen in Europa mehr als 50% des BIP aus. Sind dafür nicht auch unsere schwerfälligen nationalen Verwaltungen in großem Ausmaß verantwortlich? Wenn die Verschlechterung der Handelsbilanz, wie Sie anzudeuten scheinen, nicht allein durch die hohen Kosten für Erdölerzeugnisse erklärt werden kann, sondern auch durch den Kauf von Investitionsgütern, sind das dann nicht die ersten Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung, die erlauben dürfte, die Handelsbilanz anschließend zu korrigieren ? Man sollte auch wissen, woher diese Produkte kommen (Entwicklungsländer, Mitteleuropa???), bevor man den Euro beschuldigt.
Schade, dass Wortführer wie Test-Achats, die dazu beitragen sollten, den Menschen zu helfen, besser zu verstehen, was wirklich abläuft, der Demagogie verfallen und Europa für alle Übel haftbar machen.
Jean-jacques SCHUL