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Inhalt
- 1.3.1. Das magische Viereck, das die Leistung einer Währung ausmacht
- 1.3.2. Der Euro und die Finanzgeschäfte
- 1.3.3. Die europäischen Länder, die nicht zur „Eurozone“ gehören
- 1.3.4. Die internationale Rolle des Euro
- 1. Der Euro
- 2. Die Wirtschafts- und Sozialkulturen in der Europäischen Union (EU)
- 3. Die europäischen Werte und Symbole
- 4. Die EU in der Welt
- 5. Unionsbürgerschaft
- 6. Kulturelle Vielfalt und Bildung
- 7. Die politische Integration Europas
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Die Entwicklung Europas - 1.3. Die Leistung des Euros
1.3.1. Das magische Viereck, das die Leistung einer Währung ausmacht
1.3.1.1. Allgemeines
1.3.1.1.1. Welche Vorteile wurden von der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)erwartet?-
- Die Schaffung eines großen Kapitalmarktes in Europa. Die Verringerung der durchschnittlichen Kapitalkosten im Vergleich zu einer Situation ohne Euro, in dem Maße in dem es der EZB in der Lage ist, ihre Politik zur Kontrolle der Inflation* und zum Ansehen des Euro auf den internationalen Märkten glaubwürdig zu gestalten.
- Einfachere Übertragung von Ressourcen in benachteiligte Gebiete, in denen langfristige Investitionen nicht länger dem Risiko regelmäßiger Abwertungen ausgesetzt sind und wo regionale Behörden und Unternehmen direkten Zugang zum europäischen Kapitalmarkt haben.
- Ende des «lehensherrlichen Gebahrens » der Staaten. Es ist diesen nicht mehr möglich, ihre Gläubiger in einer durch Inflation abgewerteten Währung zu bezahlen. Sie verlieren das Vorrecht, Geldscheine zu drucken, um ihre Schulden zu bezahlen (Art. 104.1 des Unionsvertrages). Der Euro schreibt dem Staat eine gesundere Verwaltung seiner Finanzen vor, wodurch langfristig eine Wiederbelebung der Wirtschaftstätigkeit in Europa erfolgt.
- Wegfall der Kosten und Unsicherheiten in Verbindung mit den Devisen und den
- „konkurrierenden Abwertungen“ innerhalb der Euro-Zone (siehe Abbildung 1a). Die Länder können einzeln genommen ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr durch Änderung des Leitzinssatzes ihrer Währung bzw. durch Änderungen ihres Wechselkurses durchsetzen. Sie können also nicht länger ihre Währung abwerten, um dadurch Marktanteile auf Kosten der anderen Länder zu ergattern bzw. auf eine Aufwertung durch den Zufluß von Kapital in Ländern mit starker Währung hoffen.
- Nutzung der Vorteile des gemeinsamen Marktes durch Beseitigung eines der letzten nicht-zolltariflichen Hindernisse im Bereich des freien Personen- und Warenverkehrs, insbesondere durch Förderung der Preistransparenz.
Stärkung der europäischen Wirtschaft in einer immer globaler werdenden Weltwirtschaft.
Preis für eine Flasche Coca-Cola in den Ländern der Euro-Zone.
© Promeuro - Illustration 1.3.1 a
1.3.1.1.2. Worin bestanden die Risiken für ein Scheitern der WWU ?-
Vor Einführung des Euro wurden folgende Risiken für ein mögliches Scheitern am häufigsten genannt :
- Das Fehlen einer politischen Union und der Verbleib der wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten in nationaler Zuständigkeit. Der Mangel an Zusammenhalt zwischen den nationalen Wirtschaftskulturen, die mit einer einheitlichen Währungspolitik unvereinbar sind. Insbesondere die potentielle Unvereinbarkeit von höchst unterschiedlichen nationalen Inflationsraten auf der einen und einem gemeinsamen Leitzinssatz auf der anderen Seite.
- Das Risiko eines dissymetrischen* Schocks, der in einem Gebiet mit geringer Mobilität der Arbeitskräfte zu katastrophalen sozialen Auswirkungen führen kann, die das jeweilige Land nur durch Abwertung seiner Währung korrigieren kann, woraufhin die EZB zu Maßnahmen gezwungen würde, die eine Aushöhlung der Stabilität des Euro auf den internationalen Märkten bewirken könnte.
- Ein lebhafterer wirtschaftlicher Wettbewerb durch Ausweiterung des Wirtschaftsraums auf den gesamten Kontinent wurde damals als Risiko für eine verschärfte Marginalisierung der am wenigsten krisenerprobten Schicht der Bevölkerung angesehen sowie als Risiko für die Entstehung von Armutsecken in isolierten Gebieten mit weniger gut gerüsteten Verwaltungen. Einige fürchteten, der Euro könne die Kluft zwischen armen und reichen Ländern noch vergrößern. Es traat jedoch das Gegenteil ein und die positiven Auswirkungen eines stärkeren Wettbewerbs zwischen Ländern und Regionen für die EU insgesamt wurde deutlich.
- Die von einer unerfahrenen
Zentralbank* betriebene Währungspolitik lief Gefahr, den Euro zu schwächen und zu einer Erhöhung der Zinssätze bzw. zu einer Überbewertung des Euro zu führen, was die Arbeitslosigkeit hätte verschärfen können und damit wäre eine Ablehnung der WWU erfolgt. Auch gab es Zweifel an der Fähigkeit der EZB, ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Druck eines großen Landes zu wahren und die gemeinsamen Interessen sämtlicher Partner zu schützen. - Die durch die hohen Kosten des Übergangs und durch die Verluste der üblichen Wechselkursgebühren geschwächten Banken würden den Auswirkungen einer verschärften Konkurrenz, vor allem durch ausländische Banken, die besser auf einen Markt kontinentalen Ausmaßes vorbereitet und weniger von nationalen Schutzmaßnahmen abhingen, nicht standhalten können.
- In Ermangelung einer föderalen politischen Staatsgewalt in Europa, liefen die Währungsziele einer föderal angelegten und unabhängigen EZB Gefahr, die Oberhand über andere Bestrebungen der Bürger zu gewinnen. Laut Professor Robert Cobbaut* „siegt die Logik des Finanzfachmanns meist über die des Unternehmensleiters und die Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der realen Wirtschaft würde zur Pathologie unserer Gesellschaft werden“. Die heilsame Unabhängigkeit der europäischen Währungshüter liefe Gefahr, beherrschend und unheilvoll zu werden.
- Das Gegenstück zu diesem Risiko bestand in der Nichteinhaltung der neuen Kultur der Haushaltsdisziplin, um die sich die nationalen Regierungen bemühten, wenn sie einmal der WWU beigetreten waren. Dieses Risiko wurde als umso realer wahrgenommen, als die Bevölkerung nicht vollständig über die sozio-politischen Auswirkungen des Euro informiert worden war, insbesondere über die Notwendigkeit, die übermäßige öffentliche Verschuldung* abzubauen, deren Lasten den künftigen Generationen übertragen würde. (siehe „Das Scheitern des Euro?“).
- Angesichts der mangelnden Unterstützung des ecu durch die Bevölkerung war zu befürchten, das diese in ihrer Mehrheit den Euro als einen zu starken Zwang für ein Europa mit so unterschiedlichen Kulturen ablehnen würde. Diese Vielfalt wird im allgemeinen als ein Faktor angesehen, der zum Erfolg der Union beiträgt: der Erfolg des
Münzvereins* wurde der Fähigkeit eines föderalen Deutschlands zugeschrieben, Synergien zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen zu schaffen. Nun bedarf es zur Unterstützung einer einheitlichen Währung aber auch einer gemeinsamen Einstellung, eines Gefühls der Zugehörigkeit zu einer gleichen Gemeinschaft, um eine einheitlichen Währung unterstützen zu können. Wenn diese Aussage bei den Risiken und nicht bei den Chancen zu finden ist, die der Euro bietet, dann ist der Grund dafür, dass laut Umfragen nur eine Minderheit der Europäer einer europäischen Staatsbürgerschaft gegenüber einer nationalen Staatsbürgerschaft den Vorrang gibt. - (siehe auch das Kapitel zur europäischen Staatsbürgerschaft).
- Der Euro könnte durch nationalistische Tendenzen untergraben werden, die sich als Reaktion auf eine Entwicklung zu größerer politischer Integration in Europa ausprägen könnten, eine Entwicklung, die folgerichtig mit der Einführung des Euro angestrebt wird. Der stufenweise Aufbau eines Europäischen Staates, bzw. einer überstaatlichen Struktur, die die Euroskeptiker als „Superstaat“ bezeichnen, könnte die positive Entwicklung des Euro aufhalten.
- Der Euro würde auf längere Sicht von den Einwohnern der Länder mit ehemals « starker » Währung als Reaktion auf eine anhaltende Schwäche abgelehnt.
Diese Risiken wurden von den Euroskeptikern als Gründe für eine Umkehr angesehen.
1.3.1.1.3. Wie groß ist die Bedeutung der inneren Währungsstabilität als Leistungskriterium einer Währungspolitik?-
Von den vier Leistungskriterien einer Währung (innere Stabilität, Stabilität nach außen, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung, siehe auch Punkt 1.6.) ist die innere Stabilität, d.h. die Kontrolle der Inflation, mit am wichtigsten.
Ohne eine stabile Währung, d.h. die nicht durch Inflation ausgehöhlt wird, lassen sich die anderen Ziele auf Dauer nicht einhalten. Preisstabilität ist zum Erhalt eines langfristigen Wachstums einer Wirtschaft notwendig, denn sie ermutigt zu Investitionen und festigt die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftsführung. Inflation ist ein Zeichen für Funktionsmängel und für einen Mangel an Vertrauen in ein Wirtschaftssystem. Sie ist ferner die Grundlage für herrschaftliches Gehabe*, mittels dessen die Regierungen eine laxe Haushaltspolitik betreiben, die ihnen gestattet, ihre Schulden zum Einheitspreis zu begleichen, der unter dem Preis liegt, zu dem sie die Ersparnisse der Bürger erworben hatten.
Bei gleicher Wachstumsrate ist die Inflation auch die ungerechteste Steuer, die es gibt, da die Verteuerung in erster Linie die Armen trifft, deren Einkommen nicht stetig sind und hauptsächlich dem Verbrauch dienen.
Die Bedeutung die diesem Kriterium beigemessen wird, wird als vorrangiges Ziel der EZB im Unionsvertrag angesehen und ist somit gerechtfertigt.
1.3.1.2. Innere Stabilität (Inflation)
1.3.1.2.1. Wie hat sich die Inflation seit Einführung des Euro 1999 entwickelt ?-
Insgesamt ist die Inflation im Vergleich zu der vor der Einführung der WWU 1999 beobachteten Inflationshöhe auf einem zufriedenstellenden Niveau geblieben. Die jährliche Inflationsrate in der Euro-Zone belief sich auf jeweils 2,4 und 2,5% 2000 und 2001, d.h. sie lag lediglich 0,5% über der von der EZB gesetzten Grenze von 2%.
Der Anstieg der Inflation 2000 und 2001 wird mehreren Faktoren zugeschrieben :- der Erhöhung des Ölpreises, der immer noch in USD angegeben wird und dem Absturz des Euro auf den Devisenmärkten;
- einem relativ raschen Wachstum 2000;
- dem Aufholen der Preise in den ärmeren Ländern der EU, was zum großen Teil die hohen Raten in Spanien, Portugal, Griechenland und Irland erklärt;
- der Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze (insbesondere in den Niederlanden);
- der Einführung des Euro in bestimmten Bereichen wie z.B. im Tourismus.
Im allgemeinen hatten die Länder außerhalb der Euro-Zone ebenfalls eine niedrige Inflation, insbesondere Großbritannien, dessen Bank of England (BoE) ein ähnliches Ziel verfolgt, wie die EZB.

Abbildung 1.3.1.b : Inflationsrate in der Euro-Zone

Abbildung 1.3.1.c: durchschnittliche Inflationsrate in der Euro-Zone im Vergleich zu anderen Gebieten.
1.3.1.2.2. Hat die Einführung des Euro zu einem Preisanstieg geführt ?-
Aus Berichten geht hervor, daß die Geschäftsleute die anfängliche Unwissenheit der Verbraucher nutzten, um die Preise zu erhöhen. Die Bereiche, in denen es im Dezember 2001 und im Januar 2002 zu einer ungewöhnlichen Preissteigerung kam, waren z.B. das Hotel- und Gaststättengewerbe oder das Bäckerhandwerk. Dagegen sind die Preise in den großen Supermärkten und in Geschäften für elektrische Haushaltsgeräte gesunken. Im gesamten Euro-Raum hat die Inflation im Januar 2002 zugenommen (2,5% in der EU verglichen mit 1,9% im Dezember 2001). Die Erhöhung im Januar mit 0,34% war auf einen Preisanstieg für Gemüse wegen schlechten Wetters und auf die Erhöhung der Tabaksteuer zurückzuführen. Die Erhöhung von 0,16% ist auf die Einführung des Euro als Papiergeld zurückzuführen: einige Unternehmen versuchten, die mit der Einführung des Euro verbundenen Investitionskosten durch eine Preiserhöhung zu einem Zeitpunkt auszugleichen, zu dem die Verbraucher noch nicht ausreichend mit den neuen Werten vertraut waren. Eine ähnliche Entwicklung wurde übrigens bei der Einführung des Dezimalsystems in Großbritannien beobachtet.
Im Februar 2002 ging die Inflation in der Euro-Zone auf 2,1% zurück, was keine bedeutende Auswirkung auf die jährlichen Inflationsraten in der Euro-Zone zur Folge hatte. Die Länder mit der stärksten Inflationsrate sind die Niederlande (4,9%), Griechenland (4,8%) und Portugal (3,7%). Die niedrigste Inflation wurde in Großbritannien beobachtet (1,6%), in Österreich (2%) und in Luxemburg (2,1%), wobei das Land von 2003 bis 2007 eine hohe importierte Inflation zu verzeichnen hatte. (Siehe auch Tabelle 1.3.1.b).
Die vorübergehenden Preissteigerungen wurden schrittweise durch den Abbau der mit den Wechselgebühren verbundenen Kosten, durch einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Lieferbetrieben und durch die Kontrolle durch die unabhängige EZB ausgeglichen.
Illustration der Kommission zur anekdotischen und zur wirklichen Wahrnehmung der Inflation.
www.finances.gouv.fr/fonds_documentaire/Prevision/dpae/pdf/2003-118-20.pdf
europa.eu/scadplus/leg/fr/lvb/l25058.htm
1.3.1.2.3. Sind die Unterschiede zwischen den Inflationsraten der verschiedenen Länder mit dem Euro vereinbar ?-
Ein Teil der seit der Einführung des Euro festgestellten Inflation ist naturgegeben. Sie ergibt sich aus dem beschleunigten Wachstum in den weniger fortgeschrittenen Volkswirtschaften (Balassa-Samuelson-Effekt), aus Steuerharmonisierungen und aus der Angleichung der willkürlich festgesetzten Sätze, zu denen die Landeswährungen in Euro umgetauscht wurden. Diese Auswirkungen sind vorübergehender Natur und ohne Bedeutung, da sie lediglich die vorherigen Verzerrungen, wie z.B. die systematisch schwächeren Einkommen in den weniger fortschrittlichen Ländern der EU ausgleichen.
Dagegen ist ein anderer Teil der Inflation mit der jeweiligen Wirtschaftspolitik und den besonderen nationalen Hemmnissen verbunden. Das Land, dessen Inflation systematisch über dem Durchschnitt in der Euro-Zone liegt, verliert mittelfristig seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber seinen Konkurrenten auf dem gleichen Markt. In der Vergangenheit wurden solche Abweichungen durch aufeinanderfolgende Abwertungen korrigiert, was durch den Euro nunmehr ausgeschlossen ist. Es ist also wichtig, dass jede übermäßige Preiserhöhung vorübergehender Natur ist. Nur Irland und Spanien, zwei arme Länder mit raschem wirtschaftlichem Wachstum , hatten systematisch höhere Inflationsraten als die anderen Mitgliedsländer der Euro-Zone. Da ihr wirtschaftliches Wachstum rasch erfolgte, ist es denkbar, dass dieses Phänomen ihre Wettbewerbsfähigkeit (noch) nicht beeinträchtigt. Die Abweichungen bleiben aber im Vergleich zur Situation vor dem Euro äußerst gering und die Entwicklung der Indizes weist auf die Konvergenz der Sätze auf einer Höhe von etwa 2% hin, was der von der EZB erlaubten Grenze entspricht.
1.3.1.2.4. Ist die EZB in der Lage, die Inflation in Grenzen zu halten ?-
Die EZB hat sich gegen die Anordnungen der Wirtschafts- und Finanzminister und der Betreiber zur Wehr setzen können, die von ihr verlangt hatten, ihren Zinssatz in einer Zeit nachlassenden wirtschaftlichen Wachstums, das die Euro-Zone 2001 traf, zu senken. Im Gegensatz zur Federal Reserve (FED) in den Vereinigten Staaten hat die EZB seit ihrer Schaffung einen sehr viel stabileren Zinssatz halten können.
Beobachter waren der Auffassung, daß das Ziel eine Inflationsrate zu erreichen, die nicht über 2% hinausgeht, zu ehrgeizig sei und dass die EZB ihre Währungspolitik lockern solle, um die Wirtschaft in Europa im Krisenfall wieder in Schwung zu bringen. Sie sind der Auffassung, die restriktive Politik der EZB folge der der Bundesbank, deren Sitz sich ebenfalls in Frankfurt befindet. In den 90er Jahren wurde die Bundesbank wegen der Haltung hoher Zinssätze für die DEM kritisiert, mit der sie Kapital zur Finanzierung der Entwicklung im östlichen Teil des Landes nach Deutschland bringen wollte. Da die DEM die Leitwährung in Europa war, hatten die hohen Sätze eine Verteuerung aller Satellitenwährungen zur Folge.
Andere erinnern daran, dass das Hauptziel der Erhaltung des eigentlichen Wertes des Euro diene und dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von den zuständigen/sachverständigen Stellen gelöst werden müssen, d.h. durch die nationalen Regierungen, die dafür in erster Linie die Verantwortung tragen. Sie befürchten ferner, dass die EZB von denen zum Sündenbock gemacht wird, die bestrebt sind, die Macht der nationalen staatlichen Stellen im europäischen Wirtschaftsraum zu stärken.
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die Politik der EZB angesichts der Entwicklung der Wachstumsraten in jedem der beiden Wirtschaftsräume nicht strenger war als die der amerikanischen Federal Reserve (FED) und das das Festhalten an höheren Sätzen als die der FED 2001 gerechtfertigt war.
Die Analyse der Fakten der ersten Jahre seit Bestehen der EZB weist nach, dass sie in einem durch die Globalisierung der Weltwirtschaft und durch den Import von Gütern und Dienstleistungen zu günstigen Preisen aus Entwicklungsländern geprägten Umfeld, sowie durch die ungünstige Wirtschaftssituation in Europa zwischen 2001 und 2005 die Inflation unter Kontrolle halten konnte. Aus der Übereinstimmung der Inflationsraten der neu beigetretenen Länder mit denen der Mitgliedsländer in der Euro-Zone und in den übrigen Mitgliedsländern der Union, die eine „opt-out“-Klausel aus dem Euro erwirkt hatten, lässt sich schließen, dass der Euro den europäischen Währungsraum stabilisieren konnte. Die Fähigkeit der EZB jedoch, die Inflation dauerhaft, auch in Zeiten des beschleunigten wirtschaftlichen Wachstums unter Kontrolle zu halten, muß sich noch zeigen.
Analytiker meinten, die Macht der Zentralbanken, die Inflation in Grenzen zu halten, sei vielleicht weniger erheblich, als es den Anschein hat und es sei hauptsächlich die Globalisierung, die zu einem Preisrückgang geführt hat. Diese These geht davon aus, dass die Inflation wieder ansteigen könnte, wenn die armen Exportländer kraft höherer Einkommen ihre Erzeugnisse nicht mehr zu so niedrigen Preisen anbieten könnten.
1.3.1.3. Äußere Stabilität (Wechselkurse)
1.3.1.3.1. Was ist eine „schwache“ bzw. « starke » Währung ?-
Um diese Frage beantworten zu können, muß man wissen an was man die Stärke bzw. Schwäche einer Währung misst und wie man den Unterschied zu einer „stabilen“ Währung feststellt.
Eine Währung wird als „schwach“ bezeichnet, wenn ihr Wert unter der Kaufkraftparität liegt. Sie bietet durch ihren niedrigen Wechselkurs im Verhältnis zu Drittländern geschäftliche Vorteile, andererseits führt sie durch die hohen Preise für importierte Produkte zu einem Ansteigen der Inflation. Eine Währung wird als „stark“ bezeichnet, wenn sie sich im Verhältnis zu anderen rechnet. Sie schwächt die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen gegenüber der ausländischen Konkurrenz und ist nur für Länder haltbar, deren Wettbewerbsfähigkeit stark bzw. im Ansteigen begriffen ist. Sie wird gewöhnlich von Preisstabilität begleitet (niedrige Inflation). Es ist eine Währung, die auf ihrem Staatsgebiet ihre Kaufkraft und ihren Wert hält. Sie ist deswegen bei den Sparern beliebt. Ein Land mit „starker“ Währung „zieht daher trotz der niedrigen Zinssätze, die geboten werden, Kapital an.
Abgesehen von einigen Ausnahmen ist die Stärke einer Währung von der wirtschaftlichen Stärke abhängig, die sie darstellt, der Disziplin ihrer Währungs- und Wirtschaftsführung, der Synergie zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und dem Vertrauen, das die staatlichen Stellen genießen.

Entwicklung der Wechselkurse des Ecu.
© Promeuro - Abbildung 1.3.1.d
Die Stärke einer vereinigten europäischen Wirtschaft und die Disziplin der Währungspolitik verleihen dem Euro eine stärkere Stellung als alle Landeswährungen, alte wie jetzige. Dagegen lässt das Fehlen einer gemeinsamen Wirtschaftsführung und das Weiterbestehen defizitärer Haushaltspolitiken mehrer Länder seit langem Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Euro aufkommen.
In einem internationalen konkurrierenden Währungssystem, in dem die Währungen nicht unbedingt ihrer Kaufkraftparität angepaßt sind, gibt es ohne « schwache » keine „starken“ Währungen, und damit gibt es dominierende und abhängige Währungen, was nicht wünschenswert ist. Es sei darauf hingewiesen, dass der Vertrag der Europäischen Union keinen „starken“ sondern einen „stabilen“ Euro im Rahmen einer „Marktwirtschaft verlangt, die für den freien Wettbewerb offen ist“. Dies bedeutet einerseits eine wirksame Kontrolle der Inflation und andererseits eine ausgeglichene
Zahlungsbilanz*.
Die Stabilität des Euro läßt sich in einem internationalen Währungssystem nur mit Mühe feststellen, insbesondere wenn dieses von anhaltender Unausgeglichenheit gekennzeichnet ist, insbesondere was die Leistungsbilanz der USA betrifft und die Unterbewertung der chinesischen Währung, die während der Jahre 2005 bis 2007 überlegen war.
Es sei daran erinnert, daß die europäischen Behörden nie beabsichtigt haben, den USD durch den Euro zu ersetzen und dass der Kurs der Währungen vom Markt bestimmt wird. Der Wert der ersten europäischen Rechnungseinheiten war gleich bzw. nahe desjenigen des amerikanischen Dollars. Wenn der Euro heute zu einem „Antidollar“ werden würde, würde er Gefahr laufen, die wirtschaftliche Erweiterung Europas zu bremsen.
Kurz, um langfristig stabil bleiben zu können, muß der Wert des Euro auf den internationalen Märkten den Wert der europäischen Wirtschaft im Verhältnis zu ihren Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt widerspiegeln. Es ist das Bildungsniveau, die Arbeitsfähigkeit, der Erfindergeist und das Gefühl der Solidarität der Europäer sowie ihrer Fähigkeit, Synergien zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zu schaffen, die ihren Produktivitätszuwachs und die Stärke ihrer Wirtschaft ausmachen werden. Sie sind es, die die „Stabilität“ ihrer einheitlichen Währung bestimmen. In einer Demokratie hat man die Währung, die man verdient.
« Eine einheitliche Währung muß man sich verdienen ».
JeanClaude Juncker*, Premierminister des Großherzogtums Luxembourg, « L'Écho de la Bourse », 9. Oktober 1995.
1.3.1.3.2. Wie hat sich der Euro auf den internationalen Devisenmärkten entwickelt?-
Zum Zeitpunkt der Einführung des Euro, haben wenige Ereignisse so sehr die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gelenkt, wie sein anfänglicher Währungssturz auf den Devisenmärkten im Verhältnis zum USD. Der Euro, der am 1. Januar 1999 1,18 USD entsprach, stürzte im Juni 2001 bis auf 0,82 USD ab und schwankte dann in der ersten Jahreshälfte 2002 zwischen 0,86 und 0,99 USD pro Euro. Dieser Verfall von etwa 30% beruhigte die Kommentatoren, die im Euro eine schwache Währung sahen und seine Glaubwürdigkeit bezweifelten.
Dagegen ist der Wert des USD im Verhältnis zum Euro seit 2001 zurückgegangen, der eine Periode des Aufschwungs erlebte und 2007 1.3 USD überstieg. Während historisch der USD und der Euro um die Parität schwankten, stellte man 2007 fest, dass sich der Wechselkurs zwischen USD/Euro zwischen 1.25 und 1.35 einpendelte, ohne dass dies einen Hinweis auf seinen künftigen Wert ergeben hätte. Es ist schwierig, in dieser Situation zwischen dem Produktivitätsgewinn aufgrund der europäischen Einigung einerseits und der nachlässigen Verwaltung des USD andererseits insbesondere aufgrund der amerikanischen Kriegsführung im Nahen Osten zu unterscheiden.
1.3.1.3.4. Wann kann man behaupten, der Euro sei über- bzw. unterbewertet ?-
2001 und Anfang 2002 war der Euro zweifellos aufgrund der ausgeglichenen ja sogar positiven Leistungsbilanz der Euro-Zone im Verhältnis zu dem ständigen
Defizit* derjenigen der USA unterbewertet. Der Sturz des Euro gegenüber dem USD zum Zeitpunkt seiner Einführung war aber zweifellos weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick erschien. Zunächst ist der Wechselkurs vom 1. Januar 1999 von 1,18 USD pro Euro kein guter Anhaltspunkt. die Analyse der Verkettung der Rechnungseinheiten, die dem Euro vorausgingen, zeigt, dass die Parität zum USD ein besserer Bezugspunkt war.
Dann zeigt die Analyse der Veränderung der Beziehung des ECU, der den Stand sämtlicher nationaler Währungen im Verhältnis zum USD widerspiegelt, das diese Schwankungen in der Vergangenheit sehr viel größer waren (von durchschnittlich 0,74 USD pro ECU im gesamten Jahr 1985 bis 1,32 USD pro ECU) als im Verhältnis zum Euro. Zum Zeitpunkt der Einführung des Euro befand sich der ECU auf einem ausgesprochenen Tiefstand im Verhältnis zum USD. Und der Euro ist vor seiner Einführung nur der von sämtlichen europäischen Währungen eingeschlagenen Richtung gefolgt.
Insgesamt war der anfängliche Sturz des Euro im Verhältnis zum USD nur die Fortsetzung der vorherigen Tendenzen. Man kann sogar sagen, das die Schaffung des Euro dessen Sturz im Verhältnis zum USD noch begünstigt hat, weil:- die amerikanische Wirtschaft ein rascheres Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hatte, als Europa. Internationales Kapital ging folglich in die Vereinigten Staaten, in der Hoffnung, dort eine höheren Rendite zu erzielen;
- die Schaffung eines großen Kapitalmarktes in Europa ermöglichte den multinationalen Unternehmen, höhere Beträge zu geringeren Gebühren aufzunehmen, um dann in den Vereinigten Staaten in USD zu investieren bzw. Unternehmen zu erwerben, die sich leichter erwerben ließen als in der Vergangenheit;
- die kurzfristigen Zinssätze waren bis 2001 in den US höher;
- der Euro entzog den europäischen Anlegern die Diversifizierung der Währungen, die ihnen die Landeswährungen ermöglicht hatten. Seine Guthaben in Euro mit USD zu diversifizieren war eine logische Strategie.
Diese Bedingungen galten jedoch 2002 nicht mehr und die anhaltende Schwäche des Euro war unerklärbar, es sei denn, sie beruhte auf der ständigen Unsicherheit bei der politischen und wirtschaftlichen Führung in der Euro-Zone. Der anschließende Wiederanstieg des Euro-Wechselkurses im Verhältnis zum USD war also zu erwarten. Trotzdem ist es erstaunlich, dass der USD nicht schneller an Wert verlor und zwar zunächst aufgrund des Umfangs der Unausgewogenheit im Handel und ferner aufgrund der zunehmenden Auslandsschulden der USA. Auch ist festzustellen, dass das Verhältnis zwischen kurzfristigen Zinssätzen des USD und des Euro in der Vergangenheit immer die Entwicklung des Wechselkurses zwischen den beiden Währungen bestimmt hat. Während 2007 der Kurs den USD begünstigte, nimmt sein Wert seither ab. Diese Situation verlangt besondere Aufmerksamkeit.


Entwicklung der kurzfristigen Zinssätze des Euro im Verhältnis zu anderen Devisen
© Promeuro - Abbildung 1.3.1.e
1.3.1.3.5. Müßte die EZB den Wechselkurs des Euro regeln ?-
Regelmäßig machen sich die Medien zur Stimme der politischen Instanzen, die es gerne sähen, dass die EZB sich einschalten würde, um eine Hausse des Euro auf den internationalen Märkten zu vermeiden, die ein Hindernis für die Exporteure bedeutet, insbesondere für die europäische Luftfahrtindustrie, die der Konkurrenz amerikanischer Hersteller ausgesetzt ist, deren Kosten und Verkaufspreise in USD angegeben sind.
Robert Mundell*, Nobelpreisträger für Wirtschaft 1999 und Vater der Theorie der Währungszonen, empfahl eine konzertierte Regelung der großen internationalen Währungen – USD, Euro und Yen – durch deren Zentralbanken. Andere sind der Auffassung, dass in einem System der flexiblen Wechselkurse die Wechselkurse das Ergebnis der Marktkräfte sind und dass es daher besser sei, nicht einzugreifen. Möglich ist, dass notwendige Eingriffe wahrscheinlich übertrieben sein würden und erhebliche Liquidität schaffen würden, die dann sterilisiert werden müsste.
Beim Euro liegt die Entscheidung über das Wechselkurssystem, ob flexibel oder nicht, allein in der Verantwortung der Mitglieder der Euro-Gruppe. Da diese jedoch ohne ihre Kollegen im ECOFIN, wo die Meinungen geteilt sind, keine Entscheidungen treffen können, ist kaum vorstellbar, wie die äußere Stabilität des Euro anders als über die Haushaltspolitik gewahrt bleiben kann. Die EZB ist satzungsgemäß gehalten, den Leitzinssatz für den Euro aufgrund der inneren Stabilität der Preise festzulegen und ist geneigt, Zinssätze zu begünstigen, die den Euro auf einem Niveau halten, das ausreicht, um die Auswirkung der Preise für importierte Güter und Dienstleistungen (insbesondere die in USD angegebenen Ölpreise) auf die Inflation in der Euro-Zone zu verringern.
Anfangs hatte man geglaubt, der Wechselkurs USD/€ würde innerhalb von Margen schwanken, die geringer sein würden, als die zwischen USD und Ecu beobachteten, d,h, von +/-15 eurocent um die Parität. Die Entwicklung der Wechselkurse seit 2002 zeigt jedoch, dass das nicht der Fall ist.
1.3.1.4. Wirtschaftswachstum
1.3.1.4.1. Läßt sich die Auswirkung des Euro auf das Wirtschaftswachstum abschätzen ?-
1999 beseitigte der Euro eines der letzten nicht-tarifären Hindernisse bei der Entwicklung des gemeinsamen Marktes: das Wechselkursrisiko zwischen den Währungen der Mitgliedsländer der WWU. Der Euro als Buchgeld erlaubte nun auch den Geschäftsleuten und Verbrauchern, Buchführung und Preisvergleiche zu erleichtern und zwar bei einem bedeutenden Teil der Zahlungen, die z.B. per Überweisung, Scheck oder Kreditkarte durchgeführt wurden. Eine Untersuchung der Konsumgewohnheiten in den Gebieten entlang der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada zeigt, dass der Nachteil des Geldwechselns die gleiche abschreckende Wirkung auf den Verbraucher hat, als wenn er mehr als 100 km fahren müsste, um den nächsten Verkaufspunkt zu erreichen. Die Einführung des Euro dürfte für die europäischen Wirtschaft ein erheblicher Impuls gewesen sein. Das nennt man den „Euro-Effekt“-
Die ersten sieben Jahre bilden einen zu kurzen Zeitraum, als dass eine Währungspolitik, die dazu bestimmt ist, ein nachhaltiges Wachstum zu sichern, eine Auswirkung auf die beiden Bereiche „Wirtschaftswachstum“ und „Beschäftigung“ haben könnte, insbesondere dadurch, daß der Euro während der Übergangszeit von 1999 bis 2002 im Geschäftsleben nur wenig genutzt wurde. Ein Großteil der Unternehmen erklärten 1999, in Euro oder in zwei Währungen zu fakturieren, sie beklagten sich aber, dass ihre Zulieferer nicht das Gleiche täten. Dies zeigt, dass der Euro im Geschäftsleben über Absichtserklärungen hinaus vor seiner Einführung als Papiergeld wenig genutzt wurde. Vor allem kleine und mittlere Betriebe wickelten ihre Geschäfte in nationaler Währung ab. Im April 1999 führten weniger als 20% der Unternehmen ihre Buchführung in Euro durch, wobei Österreich, Finnland, Frankreich und Luxemburg mit 30% am fortschrittlichsten waren. Bis Ende 2001 nutzten nur wenige Unternehmen den Euro bei ihren internen Geschäften, wie z.B. bei der Zahlung der Löhne. Dieses Handicap wurde durch die Weigerung der Bevölkerung, den Euro zu nutzen, noch verschärft (weniger als 5% der Bürger hatten ihre Konten vor der automatischen Umstellung durch die Banken im November 2001 auf Euro umgestellt). Dazu kam noch das Fortbestehen hoher Gebühren für grenzüberschreitende Zahlungen in Euro.
1.3.1.4.2. Wie sah die wirtschaftliche Leistung in der Euro-Zone von 2002 bis 2007 aus?-
Im Jahre 2000 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Euro-Zone mit einem Jahressatz von 3,4%, eine erhebliche Steigerung im Verhältnis zu den 2,7% des Jahres 1999. Anschließend ging das Wachstum in der Euro-Zone 2001 auf unter 2% zurück und 2002 und 2003 auf unter 1% aufgrund der Weltwirtschaftskrise. Diese Sätze liegen unter der in den Industrieländern geltenden Norm, nämlich 2,5 bis 3%. Ab 2000 gab es also keinen weiteren „Euro-Effekt“.
Die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone wurde stark von der Deutschlands, seiner bedeutendsten Volkswirtschaft, beeinflußt, das an einem schwachen Wachstum in seinem westlichen Teil litt, sowie durch unzureichenden
strukturelle Anpassungen* vor ihrem Beitritt zur WWU und durch einen vielleicht zu hohen Umrechnungskurs im Verhältnis zu seiner damaligen Wettbewerbsfähigkeit beim Beitritt zum Euro.
Hingegen zeigte sich, dass das Wachstum in den ärmeren Ländern wie Irland, Spanien, Portugal und Griechenland aufgrund eines „Aufholprozesses“ die 3% mehrere Jahre hintereinander übersteigt. Der Euro ist also nicht etwa der Grund für eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Gefälles zwischen armen und reichen Ländern in der Euro-Zone. Das Pro-Kopf-Einkommen Irlands übersteigt den Durchschnitt in der Union und den der großen Länder wie Großbritannien und Frankreich.Entwicklung des BIP (Schwankungen in %) der Länder der Euro-Zone von 1961 bis 2008
Promeuro - Abbildung 1.3.1.f & g.
Die durch die Einhaltung der Konvergenzkriterien verordneten Einschränkungen waren von den Bürgern im Hinblick auf ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum, wenn denn der Euro erst einmal in Kraft getreten wäre, akzeptiert worden. Diese Aussicht wurde enttäuscht und erklärt zweifellos auch zu einem guten Teil die unter den Bürgern verbreitete Enttäuschung gegenüber Europa. Offensichtlich ist der Euro nicht das letzte Hindernis bei der Verwirklichung des gemeinsamen Marktes.
Die Situation hat sich 2006 und 2007 verbessert, aber einerseits bleibt die Leistung in der Euro-Zone hinter der der EU zurück und andererseits ist diese Entwicklung noch zu neu, um daraus bereits langfristige Schlussfolgerungen ziehen zu können. Es ist zu hoffen, dass die schrittweise Öffnung der Märkte und die verstärkt internationale Rolle des Euro, seine schrittweise Annahme durch die neuen Mitgliedsländer mit rascherem Wachstum helfen werden, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone anzuheben.

Entwicklung des BIP pro Kopf in der EU (von 1995 bis 2008)
© Promeuro - Abbildung 1.3.1.h
1.3.1.4.3. Welche Bedeutung hat das schwache Wachstum in der Euro-Zone im Vergleich zu den anderen Weltwirtschaftsmächten?-
Im Zeitraum 1994 – 2005 war das jährliche Wachstum des BIP in der Euro-Zone systematisch schwächer als das der übrigen Länder der Union und der anderen großen wirtschaftlichen Blöcke der Welt.
Die Raten sind enttäuschend: in einer Zeit des raschen Wachstums blieben sie hinter denen der Länder außerhalb der Euro-Zone zurück: 2000 und 2001 war5 das Wachstum in Großbritannien entsprechend auf 3% und 2,3%, in Dänemark betrug es 2,9% und 1,3% und in Schweden 0,7 und 3,2%.
In den Vereinigten Staaten belief sich das Wirtschaftswachstum in vier aufeinander folgenden Jahren (1996-2000) fast 4% und fiel lediglich 2001 auf 0,8 % um sofort wieder anzusteigen. Selbst zu dem Zeitpunkt, zu dem Europa ein außergewöhnliches Wachstum hätte erleben müssen, blieb das Wachstum der Euro-Zone unter dem der Vereinigten Staaten und natürlich hinter dem Indiens und Chinas. Europe ist im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten in seiner Entwicklung zurückgeblieben. Das mittlere Einkommen der Europäer in der Euro-Zone ist im Vergleich zu dem der Amerikaner auf das Niveau der 1960er Jahre zurückgefallen.
Entwicklung des BIP pro Kopf in der EU (1995-2007) im Vergleich zu anderen großen Wirtschaftsmächten. © Promeuro - Abbildung 1.3.1.i
1.3.1.5. Beschäftigung und Gesamtbilanz
1.3.1.5.1. Wie war die Entwicklung der Beschäftigung in der Euro-Zone seit 1999 ?-
Die Arbeitslosigkeit war in der Euro-Zone vor Januar 1999 besonders hoch. Sie überstieg 10% in Folge der mit der Wirtschaftskrise in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in Europa verbundenen Auswirkungen sowie durch die durch die Einhaltung der Konvergenzkriterien verordneten Anwendung einer deflationistischen Politik. Sie blieb bis 2005 bei über 8%.
Schätzungen Ende 2006 zufolge wird für die Eurozone mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 7.4% bis 2008 gerechnet. In der Euro-Zone war der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Spanien, Finnland und Irland besonders eindrucksvoll. Die Arbeitslosigkeit in Portugal, die bis 2001 stark abgenommen hatte, war 2006 wieder auf ihrem anfänglichen Stand von mehr als 7%.
Dennoch bleibt die durchschnittliche Rate in der Euro-Zone höher als die in den Ländern außerhalb. Es ist also nicht darauf zu schließen, dass der Euro zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit geführt hat. Die Arbeitslosigkeit bleibt in der EU auch höher als in den USA und in Japan.
1.3.1.5.2. Schadet die einheitliche Währung nicht der Beschäftigung ?-
Es ist schwierig, die Auswirkungen des Euro auf die Beschäftigung zu isolieren und eine wie auch immer geartete Rolle des Euro in dem hartnäckigen Anhalten einer überhöhten Arbeitslosigkeit im Gebiet der WWU festzustellen. Die Verlagerungen bzw. Schließungen von Unternehmen in Verbindung mit dem verschärften internationalen Wettbewerb sowie die Haushaltskürzungen, die es nicht mehr gestatten, Defizite staatliche Unternehmen zu finanzieren, die traditionell künstlich Arbeitsplätze zur Verfügung stellten, führen in der Öffentlichkeit dazu, Europa für diese Situation verantwortlich zu machen.
Stabilität des Euro und Arbeitsmarkt
Video zur Unterstützung
Das Wegfallen der Devisengeschäfte zwischen den Mitgliedsländern der WWU und die anschließende verschärfte Wettbewerb hätten in der Anfangszeit tatsächlich zum Verlust von Arbeitsplätzen führen können. Eine entsprechende Auswirkung war jedoch nur gering. Darüber hinaus kann die einheitliche Währung keine starren Strukturen beseitigen, insbesondere die anhaltenden Eingriffsmöglichkeiten nationaler Verwaltungen sowie die starren Strukturen eines geschützten Arbeitsmarkts, was zu einem beträchtlichen Teil die hohe Arbeitslosigkeit auf dem europäischen Kontinent erklärt. Andererseits begünstigen die Beseitigung der Wechselkursrisiken und eine größere Stabilität des Euro und des internationalen Währungssystems ein Wiederaufleben der wirtschaftlichen Aktivität in Europa und die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine Entwicklung, die durch eine besser koordinierte Führung der Wirtschaftspolitik (der Länder) und das Ende der Zeit der institutionellen Unsicherheit aufgrund der Nicht-Ratifizierung des Verfassungsvertrages verstärkt wird.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone von 1990 bis 2008
© Promeuro - Abbildung 1.3.1. j

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den großen Ländergruppen von 1990 bis 2008.
Abbildung 1.3.1.k.
« Die Währung (.....) ist außerdem (.....) das wirksamste Instrument der Wirtschaftspolitik, die in starkem Maße jegliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung bestimmt. Und in dieser Rolle (und hierbei) kann die Währung wie die Sprache Äsops das Beste oder Schlimmste sein.“
F. Bilger*, „Sind die Kriterien von Maastricht realistisch?“ (1995)
1.3.1.5.3. Welche Bilanz läßt sich ziehen ?-
Insgesamt läßt sich abschließend sagen, dass der Euro einen heilsame Auswirkung auf die beiden Stabilitätskriterien gehabt hat : die Inflation scheint unter Kontrolle und der Euro hat offenkundig positive Auswirkungen auf die Stabilität des internationalen Währungssystems gehabt. Die wirksame Koordinierung der EZB mit den anderen großen Zentralbanken der Welt nach der Katastrophe vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten veranschaulicht dies. Wenn der Wechselkurs des Euro zum USD sich nicht in einer Bandbreite von + 15% um die Parität gehalten hat, dann beruht das sehr viel mehr auf der amerikanischen Außenpolitik als auf der Durchführung der Haushalts- und Währungspolitik Europas.
Was das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung angeht, so hat die Leistung der Euro-Zone lange enttäuscht und hat sich erst von 2006 an verbessert, wobei sie aber hinter der der anderen alten EU-Länder zurückgeblieben ist. Hierbei handelt es sich aber um Faktoren, die nicht direkt in den Zuständigkeitsbereich der europäischen Währungsbehörden fallen, sondern in den der nationalen Regierungen. Solange die gesetzlichen, finanziellen und Verwaltungsbedingungen nicht mit den wirtschaftlichen Forderungen eines Gemeinsamen Marktes in Einklang gebracht werden, vor allem für die kleinen und mittleren Unternehmen, ist dieser Markt eher Hoffnung als Wirklichkeit und der Euro kann nicht sein volles Potential entfalten.
Offensichtlich ist der Euro nicht das Ende, sondern nur eine Station von grundlegender Bedeutung auf dem Weg zum weiteren Ausbau Europas.
« Der Euro macht auf höchst aufschlussreiche Weise die noch verbleibenden Unzulänglichkeiten beim Ausbau Europas deutlich »
Pierre Werner* anlässlich der Generalversammlung von PROMEURO im Juni 1999.


