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Die Entwicklung Europas - Die Geschichte des Euros
1.2.2. Die Vorbereitung auf den Euro
1.2.2.1. Das Europäische Währungssystem (EWS)
1.2.2.1.1. Welche Schritte gingen der Schaffung des Europäischen Währungs--
- Der
Barre*-Plan, der die ersten Vorschläge für Verhandlungen über die Wirtschaftspolitik und über ein gegenseitiges Kreditsystem enthält, wird am 1. und 2. Dezember 1969 von den sechs Staats- und Regierungschefs der Länder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Den Haag geprüft. Diese beschließen, einen Plan zur schrittweisen Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion zu erarbeiten und die Möglichkeit zur Einrichtung eines Europäischen Reservefonds* mit dem Ziel einer gemeinsamen Wirtschafts- und Währungspolitik zu prüfen.
- Unter dem Vorsitz des Premierministers von Luxemburg,
Pierre Werner* erarbeitet ein Fachausschuß den Werner-Bericht, der im Oktober 1970 vorgelegt wird und der zu dem Schluß kommt, dass es sei notwendig sei, in den Mitgliedsländern schrittweise eine Währungsunion aufzubauen. Er sieht zunächst die Verringerung der Währungsschwankungen zwischen den Mitgliedsländern vor und anschließend die Beseitigung der
Schwankungsbandbreiten* bei den
Wechselkursen*, die unwiderrufliche Festlegung der Paritätsverhältnisse und die vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs.
Diese Politik sollte schließlich zur Einrichtung einer
Europäischen Zentralbank* und zu einer gemeinsamen Europäischen Währung, sowie zur Harmonisierung der Wirtschafts- und Steuerpolitiken führen.
Pierre Werner- Auf internationaler Ebene wurde zwischen den Notenbanken der siebzehn Länder Europas ein Europäisches Währungsabkommen geschlossen, an dessen Ende sich die Unterzeichnerstaaten verpflichten, ihre Währungen gegen den USD zu einem
Kurs* zu kaufen und zu verkaufen, der eine Schwankung von nur 0,75% auf beiden Seiten der beim IWF erklärten Paritäten zulässt.
- Der
1.2.2.1.2. Aus welchen Gründen war dieses Europäische Währungsabkommen unzureichend?-
- Dieses Abkommen stützte sich ausschließlich auf den USD, die
Leitwährung* für sämtliche internationalen Transaktionen. Durch die mangelnde Stabilität der amerikanischen Währung jedoch und die sich daraus ergebende Spekulation überschritten die Kurse ihre Grenzwerte.
- Am 15. August 1971 beschlossen die Vereinigten Staaten, die Konvertierbarkeit des Dollar in Gold zu beenden und eine allgemeine Importsteuer einzuführen. Dieser Entwicklung folgten mehrere Ölkrisen. Vier Monate später, am 18. Dezember 1971, führt die Einigung des Smithsonian Institute in Washington zu einer allgemeinen Angleichung der Währungen zugunsten des JPY und der DEM und zum Nachteil des USD. Dadurch stiegen die vom
IWF* genehmigten Wertschwankungen von 0,75% auf 2,25%. Ein System der flexiblen Wechselkurse trat damit an die Stelle des festen Wechselkurssystems, das durch die Einigung von
Bretton Woods* festgelegt worden war. Auf internationaler Ebene wird ferner ein
Schwankungstunnel* geschaffen, in welchem alle wichtigen Währungen im Verhältnis zu einander ihren Wert ändern können, ohne jedoch die neue Bandbreite von mehr oder weniger 2,25% im Verhältnis zum USD zu überschreiten. Zwischen zwei beliebigen Währungen mit Ausnahme des USD beträgt damit die maximale Abweichung 4,5%.
- Der Ministerrat der EWG beschloss daraufhin, im Rahmen des Europäischen Währungsabkommens die maximale Schwankungsbreite zwischen den Währungen der Gemeinschaft noch weiter zu verringern (Entschließung des Rates vom 21. März 1972 und Abkommen von Basel vom 10. April 1972). So entstand die Währungsschlange im Tunnel. Die maximale Abweichung zwischen zwei Währungen der Gemeinschaft wurde innerhalb des internationalen Tunnels, der eine maximale Bandbreite von 4,5% aufwies, auf 2.25% begrenzt. Die Mitgliedsländer verpflichteten sich, bei den Währungen der Gemeinschaft zur Verteidigung deren interner Grenzkurse einzugreifen. Zu diesem Zweck gründeten sie den Europäischen Fonds für Währungskoordination (EFWK).
(Neue Abbildung: die Schlange im Tunnel)
- 1973 lösten der Ölschock und eine allgemeine Inflation* erneut eine Währungskrise aus, wobei das Schwanken des Außenwertes der
Währungen* über die durch den internationalen Tunnel vorgesehenen Schwankungsbreiten hinausging: d.h. der internationale Tunnel wurde aufgehoben. Die europäischen Zentralbanken verteidigten die Grenzkurse gegenüber dem USD nicht länger, respektierten jedoch die Bandbreite der Währungsschlange und beschlossen, am 3. April 1973 den Europäischen Fonds für Zusammenarbeit im Währungsbereich (EFWZ) zu gründen, eine Schöpfung des Ausschusses der Zentralbankpräsidenten und Vorläufer der künftigen Europäischen Zentralbank (EZB). Aufgrund der Instabilität des GBP und anschließend der italienischen Lira (ITL) waren das Vereinigte Königreich und Italien gezwungen, die
Währungsschlange* zu verlassen. Frankreich, das durch die Aufwertungsspekulationen der DEM und die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahl von Mai 1974 in Mitleidenschaft geriet, mußte die europäische Währungsschlange ebenfalls verlassen. Im Juli 1975 trat Frankreich wieder bei, um am 15. März 1976 erneut auszuscheiden. Die europäische Währungsschlange war zum Club der starken Währungen geworden.
- In zwei Berichten, dem von
Jean-Pierre Fourcade* und dem von
Leo Tindemans* wurden die Methoden zur Annäherung der Volkswirtschaften und für einen politischen zur Wiederbelebung der Union erforderlichen Konsens kritisiert. Es wurde vielmehr vorgeschlagen, Absprachen zwischen den Ländern mit starken Währungen und denen mit schwachen Währungen, d.h. mit hoher Inflation zu ermöglichen und sich auf konkrete Fortschritte zu beschränken. Auf der Grundlage des Marjolin-Plans akzeptierten die Mitgliedsstaaten den Vorschlag der Kommission, eine neue europäische Rechnungseinheit zu schaffen, auch ERE-Korb genannt, mit dem Konzept der WU von 1962 Schluß zu machen und statt einer Anbindung an das Gold das Konzept des Währungskorbes mit Sonderziehungsrechten (SZR) des IWF zu übernehmen. Die jeder Landeswährung zugeteilten Koeffizienten stellten die neue EWE mit den SZR auf gleiche Ebene und brachten sie in die Nähe des USD (1 EWE-Korb = 1 SZR = 1,020635 USD). So konnten die europäischen Behörden ihren Willen bekräftigen, ihre eigene Währungseinheit mit den maßgeblichen internationalen Währungen zu verbinden. Die Kontinuität der Währung mit dem USD war damit quasi gewährleistet. Der Europäische Währungskorb wurde sehr bald von allen europäischen Institutionen in ihren internationalen Transaktionen übernommen.
- Dieses Abkommen stützte sich ausschließlich auf den USD, die
1.2.2.1.3. Wie entstand das EWS ?-
Bei einem deutsch-französischen Gipfeltreffen im März 1978 in Aachen entstand dank der gemeinsamen Bemühungen von
Valéry Giscard d’Estaing* und
Helmut Schmidt* die Idee eines auf mehr Disziplin ausgerichteten Systems.
Am 7. Juli 1978 wurden die Ziele des Europäischen Währungssystems festgelegt:- durch engere Zusammenarbeit im Währungsbereich zu einem Gebiet der Stabilität und Solidarität in Europa zu gelangen;
- eine stabilisierende Wirkung auf die Weltwirtschaft auszuüben;
- das besondere Gewicht Europas als bedeutender wirtschaftlicher, kommerzieller und währungspolitischer Faktor zum Tragen zu bringen.
Der europäische Rat vom 5. Dezember 1978 in Brüssel griff die Vorschläge von Aachen auf und traf Vorkehrungen für die Anfangsphase des EWS, das am 13. März 1979 in Kraft trat.
1.2.2.1.4. Wie lässt sich das EWS definieren ?-
Das EWS war das Ergebnis eines Abkommen zwischen den Mitgliedsländern der EWG über zwei finanztechnische Bereiche:
- zum einen wurde damit ein Mechanismus zur Festlegung der Wechselkurse und zur Intervention auf den Devisenmärkten der Gemeinschaft geschaffen;
- zum anderen erfolgte dadurch eine Umgestaltung der alten Kreditmechanismen zwischen den Zentralbanken der Gemeinschaft und/oder den Mitgliedsstaaten.
In dem Abkommen waren die entsprechenden Aufgaben der Zentralbanken der Gemeinschaft, der EWG und des Europäischen Rats aufgeführt. Die Funktionsweise des EWS beruhte auf einer
Rechnungseinheit* - European Currency Unit (ECU), die nach und nach die Mindestmerkmale einer Währung annahm und sich in der Form des Ecu rechtfertigen konnte.
Mit dem EWS sollte die Schaffung eines stabilen Währungsgebiets durch Begrenzung der Schwankungsbreiten zwischen den teilnehmenden Währungen und durch Anwendung von Kreditmechanismen erfolgen.
1.2.2.1.5. Wie funktionierte der Wechselkurs- und Interventionsmechanismus ?-
Anhand zweier Referenzsysteme konnte eine Ausgewogenheit auf dem Devisenmarkt erreicht werden: einer Aufstellung der Interventionsbegrenzungen der teilnehmenden Währungen und anhand der Konvergenzbeziehungen.
- Jede teilnehmende Währung hatte einen in ECU ausgedrückten Wert. Dies ermöglichte die Aufstellung von bilateralen
Leitkursen*, d.h. des Werts jeder teilnehmenden Währung in jeder anderen teilnehmenden Währung. Durch Anwendung der maximal genehmigten Schwankungsbreiten auf diese Leitkurse - anfangs 2,25%, dann 15% - erhielt man eine Aufstellung der Interventionspunkte. Der Wechselkurs der teilnehmenden Währungen durfte diese Bandbreiten nicht überschreiten. War dies doch einmal der Fall, so mussten die Zentralbanken durch Kauf- bzw. Verkaufsmaßnahmen ihrer eigenen Währung den Kurs der letzteren auf das zulässige Maß zurückführen. Hierbei handelte es sich nur um Fälle bilateraler Intervention, an denen nur zwei Länder beteiligt waren.
- Der Mechanismus sah aber auch eine multilaterale Interventionsmöglichkeit zur Förderung der Konvergenz zwischen den Währungen vor (an der dann mehr als zwei Länder beteiligt waren). Hier wurde für jede Währung der maximale Abweichungsabstand im Verhältnis zu allen anderen teilnehmenden Währungen festgelegt. Für jede Währung wurde eine Abweichungsschwelle von 75% der Interventionsgrenze festgelegt, die die maximale Abweichung darstellten. Sobald eine Währung ihre Abweichungsschwelle überschritt mussten die zuständigen Stellen Abhilfemaßnahmen ergreifen: interne währungspolitische Maßnahmen, Änderungen der Leitkurse, diversifizierte Interventionen. Trotzdem konnten diese Vorkehrungen einige Länder nicht daran hindern, das EWS zu verlassen.
- Jede teilnehmende Währung hatte einen in ECU ausgedrückten Wert. Dies ermöglichte die Aufstellung von bilateralen
1.2.2.1.6. Wie funktionierten die Kreditmechanismen im EWS ?-
Alle Mitgliedstaaten der EWG waren an den folgenden vier Kreditmechanismen beteiligt:
- kurzfristige Kreditgewährung: Die Zentralbanken gewährten sich gegenseitig über eine Höchstdauer von etwa 3 Monaten unbegrenzte Kreditmöglichkeiten, um Interventionen am Devisenmarkt zu ermöglichen;
- kurzfristigen Währungsbeistand: nach der Inanspruchnahme der vorgenannten Möglichkeiten gewährten sich die Zentralbanken gegenseitig für maximal drei Zeitabschnitte von 3 Monaten eine begrenzte Unterstützung;
- Mittelfristige finanzielle Unterstützung: Kredite von 2 bis 5 Jahren zwischen Mitgliedstaaten, die normalerweise mit Hilfe der Zentralbanken erfolgen;
- Gemeinschaftsdarlehen: diese wurden zwischen den Mitgliedstaaten und der EWG bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten für eine festzulegende Dauer gewährt.
1.2.2.1.7. Waren die Landeswährungen durch das EWS überflüssig geworden?-
Das EWS hatte nicht die Aufgabe, die Landeswährungen durch eine einheitliche Währung zu ersetzen. Vielmehr bestand sein ausschließliches Ziel darin, für die Landeswährungen im Rahmen einer Leitwährung, des ECU, eine Zone größtmöglicher Stabilität zu schaffen. Die Landeswährungen bildeten weiterhin die Grundlage des Devisenmarktes. Der ECU ersetzte sie nicht, er ergänzte sie vielmehr als eine Parallelwährung.
1.2.2.2. Der ECU und der ecu
1.2.2.2.1. Der amtliche ECU: eine Korbwährung ?-
Man bezeichnete die innerhalb des EWS benutzte Abrechnungs-/Währungseinheit als ECU.
Sie war Nachfolgerin des ERE-Korbs im Verhältnis von 1 zu 1. Ihr Wert wurde anschließend regelmäßig anhand der Wechselkurse der teilnehmenden Währungen durch die EG neu berechnet. Der neue Währungskorb bestand aus einem unveränderlichen Anteil jeder Währung der Mitgliedstaaten der EWG. Dieser entsprach grundsätzlich der relativen Bedeutung der Volkswirtschaft und der Bevölkerung der einzelnen Mitgliedstaaten der EWG. Bis zum 1. November 1993 wurde die Zusammensetzung alle fünf Jahre überprüft, dem Zeitpunkt, zu dem der Vertrag über die Europäische Union in Kraft trat, der den Gründungsvertrag der EWG ablöste.
Zusammensetzung des ECU-Korbes
© Promeuro – Abbildung 1.2.2.a
Vor diesem Zeitpunkt wurde jedes Mal, wenn ein Land der Union beitrat, dessen Landeswährung in den Währungskorb integriert, was zu Unsicherheit bezüglich des künftigen Werts des ECU führte. Durch Artikel 109 G des EU-Vertrages wurde dessen Zusammensetzung auf die 12 damaligen Mitgliedstaaten eingefroren. Deshalb waren die Währungen der 3 Staaten, die der Union 1995 beitraten – Österreich, Finnland und Schweden – nicht im ECU enthalten.
1.2.2.2.2. Was verstand man unter dem privaten ecu ?-
1982 beschloß eine Handelsbank – die Filiale der Kredietbank im Großherzogtum Luxemburg – auf ECU ausgestellte Obligationen herauszugeben. Statt Anleihen in nationaler Währung zu zeichnen, die die Bank anschließend in ECU hätte umtauschen müssen, konnten die Zeichner mit dem Einverständnis der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (
BIZ*) ein Konto in ECU eröffnen und so unmittelbar in dieser Währung Geschäfte abschließen. Die beiden ersten Obligationen in ECU wurden auf Rechnung der Finanzgesellschaft für Telekommunikation und Elektronik – Gruppo Telecom Italia (Sofete SA)- und der Europäischen Investitionsbank (EIB) ausgegeben. So wurde der ECU zu mehr als nur eine Rechnungseinheit. Er wurde auch zu einer Wertreserve, als „privater ecu“ bezeichnet und kleingeschrieben, um ihn vom amtlichen ECU zu unterscheiden. Dies war eine Maßnahme, die in Handels- und Finanzverträgen angewandt wurde. Seine Zusammensetzung entsprach der des amtlichen ECU. Sein Wert hingegen richtete sich nach Angebot und Nachfrage nach ECU auf den Finanzmärkten. Sein Kurs konnte also leicht von dem des amtlichen ECU abweichen. Mit dem „Delta“ wurde die Differenz zwischen amtlichem und privatem ECU gemessen. Zwischen Ende 1994 und Anfang 1996 lag sie dauerhaft über – 1%. Mit dem „Delta“ ließ sich sozusagen das Vertrauen der Märkte in die Europäische Währung messen. Es war nur von Mitte 1997 bis Dezember 1999 regelmäßig positiv.
Festzustellen ist, dass im Laufe der finanziellen Turbulenzen, die die europäischen Finanzmärkte 1992 und 1993 schwer erschütterten, die Festlegung des amtlichen ECU und des privaten ecu nie in Zweifel gezogen wurden, weder von amtlicher Seite, noch auf den privaten Märkten.
Entwicklung des ecu-Deltas
© Promeuro – Abbildung 1.2.2.b
1.2.2.2.3. Wie entstand der ecu ?-
Der ecu wurde von den Banken über Kreditgeschäfte geschaffen, die sie sich zubilligten. In Ermangelung einer Europäischen Zentralbank wurde die
Verrechnung* von auf ecu lautenden Gläubiger- und Schuldnerpositionen durch den Bankenverband für den ecu unter der technischen Mitwirkung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (
BIZ*) durchgeführt. Die Übertragung von Mitteilungen wurde durch das Swift-Netz (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications) abgewickelt.
Dem System gehörten 46 Verrechnungsbanken an. Die Korrespondenzbanken, die keine Mitglieder waren, mussten ihre Zahlungsaufträge über eine Verrechnungsbank abwickeln.
Darüber hinaus mussten die Nichtbanken (Sparkassen, Postscheckdienste) eine Bank benutzen.
Verrechnungsvolumen für den ecu über den EBA (Euro Banking Association)
© Promeuro – Abbildung 1.2.2.cWeitere Informationen über die internationale Gesellschaft für Finanztelekommunikation zwischen Banken siehe Internetseite SWIFT: www.swift.com
Weitere Informationen über die Euro Banking Association auf der Seite von EBA: www.abe.org
1.2.2.2.4. War der ecu-Markt ein realer Markt ?-
Die fehlenden Geldscheine und Münzen in ecu machten den ecu zu einer abstrakten Währung.
Er existierte nur als
Buchgeld*. Jeder konnte beispielsweise ein laufendes Konto in ecu eröffnen, von dem aus alle normalen finanziellen Operationen möglich waren, genau wie bei Landeswährungen, die ebenfalls häufiger bargeldlos als mit
Bargeld*erfolgen. Der ecu-Markt existierte also sehr wohl und hatte ein beachtliches Ausmaß. 1992 war der ecu kurz davor, auf den Obligstionsmärkten die drittwichtigste Währung weltweit zu werden (nach dem USD und der DEM). Bis 1998 belief sich der täglich über den ecu-Bankenverband verrechnete Betrag auf etwa 50 Milliarden ecu.
1.2.2.2.5. War der ecu eine vollgültige Währung ?-
Eine Währung muß über drei Attribute verfügen: sie muß gleichzeitig eine Rechnungseinheit, eine Reserve (Sparguthaben) und
Zahlungsmittel* sein.
Seit 1979 war der ECU die offizielle Rechnungseinheit der EU und wurde auch von zahlreichen öffentlichen und privaten Unternehmen (Fiat, Alcatel, Amadeus, Eutelsat, Merck usw.) zur Erstellung der Jahresabschlüsse, als Referenzpreis bei der Fakturierung und zur Bezahlung von Zulieferern verwendet. In den internationalen Beziehungen benutzten die meisten europäischen Eisenbahn- und Telekommunikationsgesellschaften den ECU.
Auch als Wertrückstellung spielte der ECU eine Rolle, wie seine Entwicklung an den Finanzmärkten zeigt. So gab es zahlreiche auf ECU lautende Finanzprodukte: Schuldverschreibungen, Terminverträge, Optionen, Swaps, Handelspapiere, Hinterlegungszertifikate. Jeder konnte ein Bankkonto in ecu eröffnen, Euroschecks in ecu ausstellen oder eine auf ecu lautende Kreditkarte verwenden.
Als Zahlungsmittel bei Handelsgeschäften wurde der ecu jedoch kaum verwendet. Er konnte nur verwendet werden, wenn beide Parteien einverstanden waren. Es ist diese mangelnde Verwendung bei Handelsgeschäften, die seine Währungsqualität (Englisch: „moneyness“) verminderte.
Anmerkung: Wie die meisten ausländischen Währungen war der ecu, den es nicht als
Bargeld* gab, kein gesetzliches Zahlungsmittel. Er war jedoch in Währungen konvertierbar, die gesetzliche
Zahlungsmittel* waren : so konnte man in einer Bank sein ecu-Guthaben in die entsprechende gewünschte Währung umtauschen.
1.2.2.2.6. Welche Vorteile wies der ecu auf ?-
- Neutralität
In einem internationalen Geschäft, insbesondere zwischen Ländern, deren Währungen dem ecu angehörten, erübrigte sich durch den ecu die Wahl zwischen der Währung des Käufers und der des Verkäufers, sodaß das Wechselkursrisiko gerechter zwischen beiden aufgeteilt war.
Desgleichen konnte ein Anleger, der europäische Finanzanlagen kaufen wollte, auf die Wahl zwischen mehreren Devisen verzichten. Dank der auf ecu lautenden Wertpapiere, konnte er „auf Europa setzen“. Dies galt insbesondere für außereuropäische Anleger, die nur über begrenzte Kenntnisse der einzelnen europäischen Länder verfügten. Außerdem gab es in ecu eine breite Palette an Finanzprodukten, die in bestimmten Landeswährungen fehlten.
- Vereinfachung
Der ecu verbesserte die Preistransparenz, indem er den Preisvergleich für Waren bzw. Dienstleistungen aus verschiedenen Ländern leichter machte. Durch Verwendung des ecu konnte eine multinationales Unternehmen seine Finanzverwaltung vereinfachen und Einsparungen erzielen.
- Stabilität
Dank ihrer Anbindung an den ECU-Währungskorb und an das EWS, das die Wechselkursschwankungen der beteiligten Währungen begrenzte, bot der ecu eine größere Stabilität als die Landeswährungen, deren Schwankungen untereinander kurzfristig erheblich sein konnten (siehe Abbildung 1a).
- Verringerung der Transaktionskosten
Bei Verwendung des ecu durch eine größere Zahl von Akteuren wäre eine Senkung der Wechselgebühren möglich gewesen. Wären mehr und mehr Käufe und Verkäufe in ecu abgewickelt worden, hätte es eine Verrechnung zwischen Verbindlichkeiten und Forderungen gegeben, der Markt hätte an Liquidität gewonnen und die Wechselgebühren wären gesunken.
Eine solche Entwicklung richtete sich nach der Zahl der Benutzer und den Gebühren, die die Banken für ecu-Überweisungen verlangten.
1.2.2.2.7. Welche Mängel wies der ecu auf ?-
- die fehlende territoriale Grundlage
Ohne Inlandsmarkt war der ecu überall eine Fremdwährung, was die Zahl der Endbenutzer einschränkte. Da er kein gesetzliches Zahlungsmittel war, musste auch niemand die Begleichung einer Schuld in ecu akzeptieren. Nur wenige nutzten ihn. Anders ausgedrückt: was nützt ein Telefon wenn die anderen keins haben?
- Die Komplikation einer Parallelwährung
Es handelte sich um die 13. bzw. 16. Währung in der Union, wobei es weder Münzen noch Banknoten in ecu gab. Die Münzen, die mit der Bezeichnung „ecu“ geprägt wurden, sind Medaillen für Münzsammler. Sie besitzen lediglich Sammlerwert und sind kein gesetzliches Zahlungsmittel.
Wenn der ecu für bestimmte Transaktionen verwendet werden konnte, so musste für andere z.B. Zahlung von Steuern und Abgaben, für Güter bzw. Dienstleistungen, deren amtlicher Preis in der Landeswährung festgelegt war (Benzin, Strom, Wasser, öffentlicher Nahverkehr usw.) obligatorisch auf die Landeswährung zurückgegriffen werden. In den meisten Ländern musste eine Firma ihr Firmenkapital und ihre Jahresabschlüsse in der Landeswährung angeben.- Das Wechselkursrisiko
Trotz der kurzfristigen Stabilität des ecu blieb doch ein Wechselkursrisiko bestehen. Als Korbwährung verlor der ecu notwendigerweise gegenüber den „harten“ Währungen an Wert, während er gegenüber den „weichen“ Währungen zulegte. Die Anleger aus Ländern mit einer Hartwährung riskierten eine Wertminderung ihrer Ersparnisse in ecu, während die Kreditnehmer aus Ländern mit einer weichen Währung das Risiko eingingen, dass ihre Schulden bei Umrechnung in die Landeswährung im Wert stiegen und dies trotz des Wechselkursmechanismus.
Diese Anfälligkeit des ecu wurde zusätzlich durch die Tendenz mancher Länder verschärft, ihre staatliche Verschuldung über den ecu-Markt zu finanzieren. Dieser Praxis wurde später dadurch ein Ende bereitet, dass den Zentralbanken untersagt wurde, ihren Regierungen Überziehungsmöglichkeiten* einzuräumen. Trotzdem behielt der ecu in den Hartwährungsländern seinen Ruf als weiche Währung.- Die hohen Kosten für Bankgeschäfte
Der private ecu wurde von privaten Banken emittiert und nicht von einer Zentralbank. Daher gab es keinen Refinanzierer der letzten Instanz* wie bei den Landeswährungen, wodurch eine gewisses Überziehungsrisiko entstand, obwohl alle erdenklichen Vorkehrungen zur Gewährleistung der Stabilität des Systems getroffen worden waren. Dieses Risiko, verbunden mit einem Liquiditätsmangel des Marktes führte zu hohen Gebühren für ecu-Transaktionen, besonders bei Beträgen in geringer Höhe. Das Verrechnungssystem der ABE eignete sich nur für hohe Beträge.
1.2.2.2.8. Welche Rolle spielte der „Delors-Plan“ bei der Schaffung der europäischen Währung?-
Der „Bericht des Delors-Ausschusses“ war das Ergebnis von Beratungen einer Gruppe von Sachverständigen, zu denen auch die zwölf Präsidenten der Zentralbanken gehörten. Die Schlussfolgerungen dieser Beratungen wurden dem Europäischen Rat von Madrid 1989 von
Jacques Delors*, dem damaligen Kommissionspräsidenten vorgelegt. Er schlug den schrittweisen Übergang zu einer einheitlichen Währung zur Unterstützung des gemeinsamen Marktes vor. Er wies ferner auf die Notwendigkeit eines neuen Unionsvertrages hin, um zu einer einheitlichen Währung zu gelangen. Außerdem legte er dar, dass die Marktkräfte allein zur Schaffung einer solchen Währung nicht ausreichten und forderte Maßnahmen für eine bessere „Konvergenz“ der Wirtschaftspolitiken sowie die Entwicklung des Marktes für den privaten ecu. Ferner schlug er die Schaffung eines „Europäischen Systems der Zentralbanken“ (ESZB) vor. Er setzte keine Fristen für die einzelnen Integrationsphasen, nahm diese jedoch in anderer Form im Werner-Plan wieder auf. 
Jacques Delors
Der Delors-Plan fand seinen Niederschlag in den Artikeln 109 F.2 und 109 J.1 des Unionsvertrags, der von einer kontinuierlichen Entwicklung des ecu-Marktes ausging, bis hin zu einer einheitlichen Währung.
Dieses Konzept einer natürlichen Weiterentwicklung bis hin zur einheitlichen Währung wurde schließlich zu Gunsten eines „Big Bang“-Szenarios seitens des Europäischen Währungsinstituts (EWI) und der EG aufgegeben und beim Gipfeltreffen in Madrid im Dezember 1995 bestätigt. Laut diesem Szenario erfolgte die Einführung der einheitlichen Währung auf einen Schlag und mit einer minimalen Übergangszeit.
1.2.2.2.9. Vom ECU zum Euro : wie ist das Verhältnis ?-
Mit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 hörte der ECU auf zu existieren. Zu diesem Zeitpunkt wurde der gesamte ECU-Bestand zum Kurs von 1 zu 1 in Euro umgerechnet. Weder der ECU als Rechnungseinheit, noch der ecu als Währungskorb waren „eigenständige“ Währungen, da ihr Wert von ihren Bestandteilen abhing und nur diese besaßen einen „Darlehensgeber“ in letzter Instanz. Da der ecu in der Wirtschaft wenig genutzt wurde, hatte er nicht alle Attribute einer Währung.
Der Euro hingegen besitzt diese Eigenschaften, ganz besonders die, Zahlungsmittel bei Handelsgeschäften und öffentlichen Transaktionen mit nationalen amtlichen Stellen (z.B. bei der Steuerabwicklung) zu sein.
In den Ländern, die den Euro übernahmen, wurde er gesetzliches Zahlungsmittel und es gab ihn selbstverständlich in Form von Münzen und Banknoten.
Auch der institutionelle Rahmen hatte sich geändert. Die Währungspolitik für Euro erfolgte nun durch die Europäischen Zentralbank (EZB), deren Hauptziel die Preisstabilität ist.
Der grundlegende Unterschied besteht jedoch darin, dass der ECU die Landeswährungen ergänzte und die Kursschwankungen zwischen ihnen nicht aufhob, während der Euro die Landeswährungen ersetzt und damit das Wechselkursrisiko zwischen ihnen vollständig beseitigt.
1.2.2.2.10. Wie konnte der ECU, ein Währungskorb mit zwölf Landeswährungen, mit dem Euro gleichziehen ?-
Im Artikel 109L.4 des Unionsvertrags steht, dass im Moment des Übergangs des ECU zum ecu, als vollgültiger Währung, d.h. zum Euro „diese Maßnahme als solche nichts am Außenwert des „ecu“ (später Euro genannt) ändert“ (
siehe Frage 4.3.).
Am Tage seiner Umwandlung in Euro wurde der ECU, der ja einen Gegenwert in einer nicht-europäischen Währung, z.B. in Dollar besaß, von seinen Bestandteilen abgekoppelt, behielt aber seinen Wert im Verhältnis zu dieser Drittwährung. Wenn der ECU am 31. Dezember 1998 um Mitternacht 1 USD wert war, so war der Euro am 1. Januar 1999 ebenfalls 1 USD wert.
Dies ermöglichte den Währungen, aus denen der ECU bestand, ihre Umrechnungskurse gegenüber dem Euro festzulegen, ohne die Finanzmärkte der europäischen Währung zu stören. Der Kurs 1 zu 1 zwischen ECU und Euro wurde durch einen rechtlichen Rahmen für den Euro, der im Dezember 1996 von den Staats- und Regierungschefs in Dublin gebilligt wurde, bestätigt. Er fügte sich in die Reihe der Schritte ein, die die Geschichte des währungspolitischen Aufbaus Europas kennzeichneten: bei jedem Schritt wurde die neue Währungseinheit 1 zu 1 zur alten umgerechnet. So war es beim Übergang von der ERE zur RE, von der RE zum ECU (als Rechnungseinheit) und vom ECU zum Euro. Von Anfang an spielte es für den ECU keine Rolle, ob das Pfund Sterling dem Wechselkursmechanismus des EWS angehörte oder nicht. Somit war die Gleichwertigkeit zwischen dem ECU und dem Euro keine Überraschung, gleich welche Währungen durch den Euro ersetzt wurden.
Zur Beruhigung der Medien und der Märkte beschloß die Europäische Investitionsbank (EIB),
die Anleihe von 500 Millionen ecus 1996 mit einer Garantie für die Umrechnung von ECU in Euro zu versehen. Im Januar 1997 war die EIB sogar mit einer ersten auf Euro lautenden Anleihe aufgetreten (1 Milliarde über 7 Jahre). Dasselbe tat sie mit mehreren auf die Währung eines Mitgliedstaats lautenden Anleihen, die mit einer Klausel für die Umrechnung in Euro zu dem Kurs versehen war, der zum Zeitpunkt des Beitritts des jeweiligen Landes zur WWU bestand.
Mehrere öffentliche Einrichtungen wie die Europäische Kommission und die EIB hatten öffentlich bestätigt, dass ihre gesamten Verbindlichkeiten in ECU am 1. Januar 1999 zum Kurs 1 ECU für 1 Euro umgerechnet würden, obwohl diese Garantie nicht ausdrücklich erwähnt worden war.
1.2.2.2.11. Inwieweit war das Phänomen des ecu für die einheitliche europäische Währung von Bedeutung ?-
Ein ECU wurde gegen einen Euro gemäß dem Prinzip der Kontinuität der europäischen Zahlungseinheit gewechselt, das seit Schaffung der Europäischen Rechnungseinheit 1950 und des Europäischen Währungskorbs 1975 eingehalten wurde. Ohne den ECU hätte der künftige Annäherungswert der nationalen Währungen in Euro nicht berechnet werden können.
Durch sein Vorhandensein war es auch möglich, die Entwicklung der Wechselkurse sämtlicher europäischer Währungen und des Euro im Verhältnis zu externen Währungen in den Jahren vor der Einführung des Euro bewerten zu können.
Der ECU wurde nicht nur häufig von den Europäischen Institutionen, sondern auch von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) benutzt sowie für deren internationalen Zahlungsausgleich, z.B. von der Eisenbahn von zwanzig europäischen Staaten, im Telekommunikationssektor und bei der Marine.
Der ecu verdeutlichte das Engagement der Privatwirtschaft auf dem Weg zu einer einheitlichen Währung. Er zeigte, dass Europa eine gemeinsame Währung brauchte, insbesondere einen großen Kapitalmarkt. Darüber hinaus war er auch ein Symbol für die Solidarität zwischen Nord und Süd in Europa, einem der Grundprinzipien der römischen Verträge.
Ein angesehener amerikanischer Nationalökonom bezeichnete den ecu als die bemerkenswerteste finanzielle Innovation der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Der Wagemut, der seine Einführung kennzeichnete, kündigte bereits den Mut an, der vorhanden war, als die 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sich in das Abenteuer stürzten, ihre Landeswährungen durch den Euro zu ersetzen.
Die schweren Unruhen am ecu-Markt 1992 und 1993 unterstrichen auch die Bedeutung einer guten Verwaltung der öffentlichen Gelder und einer verstärkten Konvergenz der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten der Union im Hinblick auf eine künftige verlässliche Währung. Ferner zeigten sie auch die Gefahr einer fehlenden Unterstützung durch das Volk bei dem weiteren währungspolitischen Aufbau Europas.
Abschließend lässt sich sagen, das der ecu eine wichtige Etappe im währungspolitischen Integrationsprozeß Europas darstellte.
Für weitere Informationen siehe die Internetseite des Euro-Archivs: www.ecu-activities.be
Euro birth and life. European Parliament Fact sheets
1.2.2.3. Vom EWS zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
1.2.2.3.1. Was war die erste Etappe auf dem Weg zur Verwirklichung der WWU ?-
Zunächst führte der
Genscher-
Colombo-Plan* und der Bericht eines Ad-hoc-Ausschusses am 30. Juni 1985 zur Entscheidung des Europäischen Rats in Mailand, eine „Regierungskonferenz“ zur Überarbeitung des Vertrags von Rom einzuberufen. Der Text des Abkommens, das am 17. Dezember 1985 geschlossen wurde und unter dem Namen Einheitliche Akte bekannt ist, wurde im Dezember 1985 vom Europäischen Rat in Luxemburg genehmigt, im Februar 1986 von den Mitgliedstaaten unterzeichnet und anschließend ratifiziert um am 1. Juli 1987 endgültig in Kraft zu treten.
1.2.2.3.2. Welche Währungspolitischen Ziele enthielt die Einheitliche Akte ?-
Das Hauptziel der Einheitlichen Akte war die Verwirklichung des Europäischen Binnenmarktes vor dem 31. Dezember 1992. In der Einheitlichen Akte kamen die Währungsprobleme zur Sprache und es wurde insbesondere das EWS und der ECU zur Erarbeitung künftiger Lösungen herangezogen. Auf diese Weise bekam der Römische Vertrag ein neues Kapitel (Art.102A) mit der Bezeichnung „Die Zusammenarbeit in der Wirtschafts- und Währungspolitik“.
1.2.2.3.3. Welche Rolle spielte der Währungsausschuß ?-
Die Schwungvolle technischen Vorbereitung der einheitlichen Währung und die Fortschritte, die bei den Fragen zu den Einrichtungen zur künftigen Verwaltung des Euro, insbesondere das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) und zur EZB erzielt wurden, waren zum großen Teil der Arbeit des Währungsausschusses zu verdanken. Dieser Ausschuß mit Beratungsfunktion wurde durch den Vertrag zur Europäischen Union, Art. 109.C, eingerichtet und bestand aus je zwei Vertretern aus den einzelnen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. Er führte Vertreter der europäischen Zentralbanken, der Finanzministerien und der Kommission zusammen und war für die Vorbereitung der Sitzungen des Rates der Wirtschafts- bzw. Finanzminister (Ecofin) zuständig. Es wird allgemein anerkannt, dass seine Mitglieder unter der Leitung von
Sir Nigel Wicks*, dank ihrer Fachkenntnisse und ihrer Fähigkeit, ihre nationalen Interessen zurückzustellen, in der Lage waren, entscheidend zur Vorbereitung der Währungsunion und damit zum Gelingen des währungspolitischen Aufbaus Europas beizutragen.
Sir Nigel Wicks
Im Januar 1999 wurde dieser Ausschuß in „Wirtschafts- und Finanzausschuß“ (WFA) bzw. in Eurogruppe umbenannt.
1.2.2.3.4. Welches sind – historisch gesehen – die Hauptzüge des währungspolitischen Aufbaus Europas ?-
Es sind:
- seine Dauer : in den Vereinigten Staaten dauerte es mehr als ein Jahrhundert, bis sie ihre Zentralbank besaßen und das deutsche Volk brauchte fast vierzig Jahre, um von einem Binnenmarkt zu einer einheitlichen Währung zu gelangen. Die Europäische Union hat trotz ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt den gleichen Weg in nur fünfzig Jahren zurückgelegt.
- sein Pragmatismus : er ist der Vorläufer einer politischen Union;
- seine Beständigkeit: der Übergang von der Europäischen Rechnungseinheit (ERE) zum Euro über die RE (1962) und den Währungskorb/ECU (1979) erfolgte immer zum Kurs 1 zu 1. Selbst in Zeiten schwerer Währungskrisen (1992-1993) wurde der ECU nie in Frage gestellt. Es ist ferner zu beachten, dass der Begriff der Stabilität, der zunächst für die Europäische Rechnungseinheit entwickelt wurde, die dem USD – der internationalen Leitwährung – entsprach, und dann für die Korbwährung, eine Innovation darstellte und die Wechselkursrisiken für Ex- und Importunternehmen verringerte. Aufgrund dieser Beständigkeit erklärt sich, warum der Wert des Euro dem des USD nahekommt.
1.2.2.3.5. Was ist die Originalität der WWU im Vergleich zu Versuchen in der Vergangenheit?-
In der Vergangenheit ging den Währungsvereinbarungen stets
- entweder eine politische Vereinbarung voraus, die den Weg für eine Währungseinheit, die Schaffung einer Zentralbank und die Emission/Ausgabe einer gemeinsamen Währung ebnete;
- oder sie wurden zugunsten der Währung eines der Länder geschlossen und sie wurde somit die der übrigen Partnerländer;
- bzw. sie wurden unterzeichnet, um den gegenseitigen Umlauf der Währung in jedem dieser Länder zu sichern.
Die Besonderheit der WWU beruht auf der Tatsache, dass erst der ECU und dann der Euro von währungspolitisch souveränen Staaten geschaffen und mit einer eigenen Zentralbank ausgestattet wurden, die unter anderen Aufgaben die Währung herausgab.
Die Besonderheit der WWU beruht ferner auf der Autonomie, die sie jedem Mitgliedstaat bei der Festlegung seiner Wirtschafts- und Steuerpolitik einräumt, was erlaubt, Wertpapiere in Euro zu unterschiedlichen Bedingungen anzubieten. Die große Frage ist, ob die WWU ohne Annäherung der verschiedenen Politiken und ohne politische Union von Dauer sein kann.
Der Werner-Plan rief bereits 1972 zur politischen Union auf, um die Nachhaltigkeit einer Europäischen Währungsunion zu garantieren.
Zum ersten Mal in der Geschichte akzeptierten so viele souveräne Staaten freiwillig, das Symbol ihrer Souveränität aufzugeben und eine gemeinsame Währung anzunehmen. Für Deutschland bedeutete dies die Aufgabe des Symbols seines wirtschaftlichen Erfolgs – der DEM – und für Griechenland die Aufgabe ihrer GRD, die 4000 Jahre alt ist.
„Es gibt viele Staaten ohne Währung aber keine dauerhafte Währung ohne Staat“
Mark Eyskens, belgischer StaatsministerFür eine Zusammenfassung der Geschichte der europäischen Währung siehe:
www.europarl.en.int/factsheet/5_1_0_en.htm
